| Alexander Fuchs : Literatur | |
| Mary Walden |
| Nach der Wende |
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Dann kam er zu einer alleinstehenden Lehrerin, ebenfalls im Ruhestand. Sie reichte Gerhard kaum bis zur Brust und hatte ganz kurzes, weißes Haar. Als er sie fragte, welche Fächer sie unterrichtet habe, meinte sie, der Mann, der unter ihr wohne, habe vor langer Zeit in ihr die Liebe zur Seidenraupenzucht geweckt. Diese seltsame Bemerkung stand in merkwürdigem Kontrast zu dem klaren, fast einleuchtenden Blick aus ihren aufmerksamen Augen.
Sein Gruppenleiter hatte allen Mitarbeitern eingeschärft, sie sollten ja die Finger von Leuten lassen, die irgendwie den Eindruck machen, sie seien nicht ganz richtig im Kopf. Es hatte bei solchen Verträgen schon unangenehme Folgen gegeben. Aber die kleine Lehrerin wollte durchaus eine Versicherung bei ihm abschließen, und Gerhard vergewisserte sich vorher, daß sie jedenfalls noch die alleinige Geschäftsfähigkeit besitzt.
Er fuhr weiter hinaus bis in die Charlottenstraße, wo einige neue Wohnblocks standen. Er hatte die Adresse eines jungen Mannes, der selbst bei der Agentur angerufen und um ein Beratungsgespräch gebeten hatte, was wirklich nur selten geschah. Es zeigte sich, daß es ein Pärchen mit einem knapp einjährigen Sohn war; die Mutter, eine hübsche Frau mit einer Lockenfrisur, öffnete ihm. In der Wohnung war es sehr ordentlich, und alles zwar schlicht, aber geschmackvoll eingerichtet. Ja, sie wisse Bescheid, allerdings sei ihr Mann gerade nicht da. Sie könne jedoch auch für ihn mitentscheiden.
Gerhard erläuterte ihr, daß bei dieser Art von Vorsorge der Versicherungsnehmer und der Versicherte ein und dieselbe Person sind, sie müssten also jeder für sich selbst abschließen. Dagegen sei es aber möglich, daß der Beitragszahler jemand anderes ist. "Das ist ja kompliziert", sagte sie. Sie hielt die ganze Zeit den Jungen auf dem Arm, der brav an seinem Schnuller nuckelte.
Gerhard passierte es, wie er jedesmal hinterher selbst erkannte, noch zu oft, daß er mit seinem Fachwissen die Kunden verschreckte, anstatt sie zu überzeugen. Er stellte ihr ein paar Fragen, dann meinte er "Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihrem Mann um eine Kapitallebensversicherung." "Genau. Was ist das eigentlich?" Gerhard erklärte es ihr sogut er konnte.
Sie fragte "Muss man sich dafür untersuchen lassen? Ich meine, wegen Krankheiten und so." "Man muss ein paar Fragen beantworten." "Aber es ist kein Arzt dafür nötig?" "Nein. Allerdings sollten die Angaben der Wahrheit entsprechen." "Und Selbstmord?" "Bitte?" "Ich frage nur Interesse halber. Wenn der Betreffende Selbstmord begeht, wird die Versicherung dann trotzdem ausgezahlt?" "Nach einer Frist, ja." "Wie lange ist die Frist?"
Gerhard bekam plötzlich einen trockenen Hals. "Hören Sie, Frau Schäfer, ich möchte nicht indiskret sein, aber ich meine, dieses Thema berührt Sie doch überhaupt nicht. Sie sind so jung und ... ich glaube, ich kann Ihnen mit meinen speziellen Angeboten nicht recht dienlich sein. Sie sollten vielleicht einen Bausparvertrag abschließen oder einen monatlichen Betrag in Vermögenswerten anlegen, verstehen Sie, damit Sie ihre finanzielle Situation schrittweise und langfristig verbessern und damit Ihre Familie auf eine sichere Basis gestellt ist und Sie - ich vermute, daß das Ihren eigenen Vorstellungen entspricht - sich auch vergrößern ... vermehren ... ich meine ... na Sie wissen, was ich sagen will."
Er hatte das Gefühl, als habe er von dem Moment an, als diese Frau mit dem kleinen Jungen die Tür öffnete und er die Wohnung betrat, eine innere Stimme gehört, die ihn davor warnte, dieser Frau, ihrem Kind und ihrem wie unsichtbar anwesenden Mann irgendetwas anzudrehen, das ihnen letztlich nicht von Nutzen ist und das ihrem allem Anschein nach blühenden Leben nur den Makel der Anfälligkeit aufdrücken würde. Sie lächelte ihn an und sagte "Vielen Dank für Ihren Ratschlag."
"Ich lasse Ihnen meine Karte da. Wir haben natürlich in unserer Agentur auch Experten für alle Arten von Geldanlage und so weiter." Er verabschiedete sich, er kniff dem Jungen sanft in die Wange, der sich daraufhin verschämt an ihre Schulter lehnte. In Wahrheit, so fand er, als er im Auto saß, hatte ihn die überraschende Erwähnung des Selbstmords geradezu erschreckt.
Die nächsten drei Besuche waren gemischt, einer wimmelte ihn ab, die zweite, eine Frau mit künstlichem Hüftgelenk, hatte schlechte Erfahrungen mit ihrer Unfallversicherung gemacht, schloss aber trotzdem noch eine weitere ab, weil ihr Gerhard so "vertrauenswürdig" erschien. Bei dem dritten, wiederum einem älteren Ehepaar, sagte ihm die Frau oben an der Wohnungstür, er würde ihren Mann im Keller finden, was auch zutraf. Es roch nach Verdünnung und verschmortem Plastik. Sie standen beide im Dunkeln, und der Mann leuchtete Gerhard mit einer Taschenlampe ins Gesicht.
Er hörte sich alles an, dann schickte er ihn wieder nach oben (in den dritten Stock) zu seiner Frau: sie solle "so ein Ding" abschließen, aber nicht mehr als 3000 Mark! Was ihr Mann eigentlich da unten mache, fragte Gerhard sie, um das Gespräch aufzulockern. Er arbeite an einer "Erfindung". Wahrscheinlich hatte er Gerhard deshalb im Finstern abgefertigt.
Es war Mittagszeit, und Gerhard gönnte sich eine Pause. Er fuhr zum Schloss Albrechtsberg, das auf der Neustädter Elbseite oben auf den Terrassen steht. Zu DDR Zeiten war in dem riesigen Gebäude mit den beiden eckigen Türmen der Pionierpalast untergebracht, das staatlich finanzierte Freizeithaus der sozialistischen Kinder- und Jugendorganisation, die vierzig Jahre bestanden, Millionen von Mitgliedern und sich gleich nach der Wende aufgelöst hatte.
Zu dem Areal gehört ein parkähnlicher Garten mit hohen Bäumen, verschlungenen Wegen, einem kleinen Teich, Bächen und Brücken, und nach der Elbseite hin hat man einen herrlichen Blick auf den Fluss und auf die Stadt gegenüber. Gerhard parkte seinen Opel Kadett vor dem Haupttor. Das Gebäude war geschlossen, überall wurde um- und ausgebaut, draußen prangte das Schild der Baufirma aus Düsseldorf. Das Wetter war mild und trocken. Er machte einen Spaziergang durch den Park, der hier und da ein bisschen verwildert aussah. Aber es war schön ruhig hier, und nur die Vögel zwitscherten munter in den Bäumen.
Er erinnerte sich, wie Monika und er die Tochter hierher geschickt hatten, als sie ungefähr neun war. Sie sollte eigentlich ein Musikinstrument spielen lernen, das war Monikas Wunsch. Sie versuchten es mit Blockflöte, aber es stellte sich heraus, daß Kathrin nicht nur unmusikalisch war, sondern auch keine ausreichende Fingerfertigkeit besaß. Außerdem hatte sie keine große Lust zum Musizieren und erst recht nicht zum Üben. Wenn er ehrlich war, so hatten weder er noch Monika selber irgendwelche nennenswerte musische Begabung, und das bewahrte wahrscheinlich Kathrin davor, zum Instrument Lernen verdonnert zu werden.
Die Blockflötengruppe, zu der sie ein paar Mal ging, traf sich wöchentlich im Pionierpalast und hatte, wie alle Arbeitsgemeinschaften im Haus ein anerkannt hohes Niveau. Man musste bald einsehen, daß Kathrin dem nicht genügte. Durch Zufall geriet sie in eine Gruppe von Gleichaltrigen, die sich mit Malen und Zeichnen und sogar mit plastischem Gestalten beschäftigten.
Der Leiter, ein erfahrender Kunsterzieher mit Rauschebart, gab ihr spontan einen großen, leeren Bogen Papier und eine Handvoll Wachsmalstifte (eine Rarität), erkundigte sich, ob sie schon einmal im Zoo gewesen sei, was sie bejahte, und forderte sie erwartungsvoll auf, ein Tier zu malen, das ihr besonders in Erinnerung geblieben sei. Während Kathrin munter drauflos zeichnete, zeigte der Kunsterzieher ihren Eltern, was so alles in dieser Arbeitsgemeinschaft geschaffen wird, und das konnte sich wirklich sehen lassen.
Die Tochter malte einen großen Elefanten und einen kleinen daneben, überlegte dann, ließ sich einen zweiten Bogen Papier geben, malte einen Löwen im Käfig, der sehr gefährlich und auch majestätisch aussah, und auf ein weiteres Blatt eine Horde Affen auf der Affeninsel, die allerlei Schabernack trieben. Dann ergänzte sie das Elefantenbild um einen Tierpfleger, der den großen mit einem Schrubber bearbeitet, dem Löwen hing sie ein Schild an den Käfig, auf dem eine klitzekleine, aber äußerst exakte Skizze des afrikanischen Kontinents Auskunft über sein Herkunftsland gab, und auf der Insel erschien zusätzlich ein Affe, der mit irgendetwas Seltsamen beschäftigt war.
Sie bedauerte es, als die Zeit für diesen Nachmittag um war, sie hatte sich gerade das Becken mit den Pinguinen vorgenommen. Der Kunsterzieher war von ihren Werken vollauf begeistert, und auch die anderen Kinder zollten ihr geradezu bewundernde Anerkennung. Es war allen klar, daß Kathrin fortan zum Mal- und Zeichenzirkel in den Pionierpalast ging.
Bei allen größeren Ausstellungen war sie mit ihren Arbeiten vertreten, und sogar beim zentralen Wettbewerb auf Bezirksebene gewann Kathrin Ziegler einen zweiten Platz. Nur ein gewisser Ronnie Reinhold aus Kamenz war angeblich besser. Aber sie fand, daß ihm bei seinem Bild, einem Stilleben mit Obstschale, jemand geholfen hat, und sie kannte mindestens fünf Leute, die ihr darin zustimmten.
Ganz in Gedanken versunken stand Gerhard vor dem Albrechts Schloss, als ihn jemand fragte "Ist das Ihr Opel Kadett da vorm Tor?" "Ja." "Da können Sie nicht stehen bleiben, das ist ein Privat Parkplatz." "Privat Parkplatz? Da habe ich immer geparkt!" "Und wenn Sie's weiterhin tun, rufe ich die Polizei und die schleppen Ihren Wagen ratzfatz ab", sagte der Mann in einem Ton, als wäre Gerhard mit seiner Frau fremdgegangen.
Er fuhr weiter hinauf nach Loschwitz zu einem Friseurmeister im Ruhestand, der in einem hübschen Haus in der Nähe des Luisenhofs wohnte, den man bekanntlich den "Balkon von Dresden" nennt. Als er sich von ihm verabschiedete, deutete der Friseur auf das Nachbargrundstück, wo eine prächtige, neuverputzte Villa stand, und meinte "Gehen Sie doch mal da hin, da wohnt seit neuem eine stinkreiche Witwe, da ist bestimmt was zu holen." Dabei rieb er Daumen und Zeigefinger aneinander und grinste.
Kurzentschlossen folgte Gerhard dem Rat. An dem vergitterten Eingangstor war auf dem Schild in verschnörkelter Schreibschrift lediglich der Name Nauwerk zu lesen. Daneben befand sich ein Klingelknopf mit Wechselsprechanlage. Gerhard machte sich keine Illusion, eingelassen zu werden. Als er auf die Frage "Wer ist da?" sagte, er sei Herr Ziegler und wolle Frau Nauwerk in einer geschäftlichen Angelegenheit sprechen, erwiderte die Frauenstimme "Einen Moment", und nach einer Pause sagte sie tatsächlich "Frau von Nauwerk lässt bitten." Dann schnarrte der Türöffner.
Am Eingang stand ein Dienstmädchen im dunklen Kostüm mit knapper, weißer Schürze und Häubchen und sagte mit freundlicher Miene "Frau von Nauwerk ist im Salon, eine Treppe hoch, Sie können es nicht verfehlen." Er wusste gar nicht, wie ihm geschieht, daß man ihn so ohne weiteres eintreten ließ. Oben stand die große Flügeltür offen, und er sah die Hausherrin, die gerade in einem Buch mit braunem Ledereinband las. Sie trug ein überaus elegantes, dunkelrotes Kleid mit einem Silberfuchs Kragen, Seidenhandschuhe und ein glitzerndes Diadem im sorgfältig hochgesteckten Haar, sie sah aus, als wollte sie zu einem Ball gehen.
Er stellte sich vor, und sie streckte ihm ihre Rechte hin, und zum ersten Mal in seinem Leben gab er einer Dame einen Handkuss, er wusste, daß man dabei den Mund nur bis auf Haaresbreite der Hand nähert. "Es ist mir ein Vergnügen", sagte sie, und Gerhard musste die ganze Zeit annehmen, daß sie ihn für irgendwen anderen hielt; die Szene hatte etwas Unwirkliches.
Sie schwenkte das Buch und fragte ihn "Was halten Sie von Carus und seiner Theorie der menschlichen Psyche, mein lieber Ziegler?" Er wusste zwar, daß Carl Gustav Carus ein Dresdner Maler war, dessen Bilder in der Gemäldegalerie hängen, und daß er außerdem Arzt gewesen war, nach dem die Medizinische Akademie ihren Namen hat, mehr aber auch nicht, von seinen Schriften war ihm nichts bekannt. Dennoch antwortete er "Es ist schon eine Weile her, daß ich ihn gelesen habe, und ehrlich gesagt, mir ist davon nicht viel in Erinnerung geblieben."
Frau von Nauwerk lächelte und sagte nicht ohne Begeisterung "Genau das ist der Punkt: man liest es und man begreift es auch, aber man behält es nicht. Warum ist das so? Wenn es Ihnen offenbar ebenso ergeht, kann es doch nicht an meinem Verstand liegen?" "Vielleicht muss man auf den rechten Zeitpunkt warten, an dem einem dann alles wieder einfällt. Die meisten Bücher, die man irgendwann einmal gelesen hat, trägt man in seinem Kopf mit sich und denkt niemals daran. Aber eines Tages erlebt man eine Situation, wo es Klick macht, und ein bestimmter Satz oder ein Bild daraus kommt einem wieder in den Sinn, so klar und deutlich, als hätte man es eben zum ersten Mal gelesen."
Frau von Nauwerk sah ihn erstaunt an. "Warum sind Sie denn nicht schon früher zu mir gekommen?" Aber in ihrer Stimme und in ihrem Blick lag dabei etwas Sehnsüchtiges, das Gerhard so vorkam, als verspreche sie sich weit mehr von ihm als nur eine Verständnishilfe der Carus'schen Theorie. Ihm wurde bewusst, daß die Frau wohl über siebzig sein dürfte und sich wahrscheinlich und trotz des Personals (sicher hatte sie auch noch eine Köchin und einen Chauffeur) in ihrer großen Villa ziemlich allein fühlt.
Sie legte das Buch beiseite und drückte auf einen roten Knopf an einem Kästchen auf dem Glastisch, es erschien das Dienstmädchen. Frau von Nauwerk bestellte Tee. Gerhard sah sich im Salon um, überall standen wertvolle Möbel und Antiquitäten, Kunstobjekte und Porzellanfiguren, die womöglich aus der Meißner Manufaktur stammten. Sein Blick fiel auf ein Bild, das in kräftigen Farben eine Straßenszene darstellte.
"Das ist ein Kirchner", sagte die Witwe, "ein Motiv aus der Friedrichstadt." "Ernst Ludwig Kirchner?" "Ja. Mein Vater hat es neunzehnhundert siebenunddreißig erworben, gleich nach der Schau über die Entartete Kunst, die die Nazis hier veranstaltet haben. Es hing vorher sogar eine Zeitlang in der Gemäldegalerie, bis es dort unerwünscht war. Dann wurde behauptet, es sei 'bezahlt von den Steuergroschen des deutschen Volkes'. Einfach lächerlich! Damit wollte man die Leute zur Bilderstümerei aufhetzen." "Heute ist es vermutlich ein paar Groschen mehr wert", sagte Gerhard und bereute sogleich seine platte Bemerkung. "Wir hatten auch ein Antiquitäten Geschäft am Neumarkt. Ich komme aus einer Familie, die mit den von Kügelgens verwandt war." "Aha."
Der Tee wurde serviert. Frau von Nauwerk schenkte selber ein. "Mein Mann war Gesellschafter bei der Firma Teekanne." "Ja, die kenne ich." "Also nicht direkt Gesellschafter, denn es ist von jeher ein Familienunternehmen gewesen, aber er war Gläubiger über die Dresdner Bank, dort war er als Volkswirt tätig." "Und dann sind Sie aus Dresden weggezogen?"
Sie nahm einen Schluck aus der Tasse, als würde damit ihr Urteil über die ganze diesjährige Tee Ernte gefällt werden, sie sah ihren Gegenüber unverwandt an. "Weggezogen?" betonte sie dann. "Der Russe hat uns aus Dresden verjagt." Sie schüttelte den Kopf, man konnte sehen, daß sie es niemals verwunden hatte.
"Ausgerechnet der Russe! Wo ein Mann wie der Wilhelm von Kügelgen so viel für Russland getan hat; Petersburg war ja praktisch seine zweite Heimatstadt. Ich weiß, es ist vielleicht nicht ganz frei von Rachegelüsten, aber ich sage, es geschieht ihnen ganz Recht, daß sie jetzt selber so erschüttert werden." "Sie meinen die Russen." Die Witwe schwieg, sie hatte sich deutlich genug ausgedrückt.
"Wohin sind Sie damals gegangen?" "Nach München. Mein ältester Sohn hat ein Haus am Chiemsee, in unmittelbarer Nachbarschaft von Herrn Biedenkopf, der nun seinerseits ein Wahl Dresdner geworden ist." "Ja. Wie die Geschichte so spielt", meinte Gerhard und schaute auf die Uhr. Er stand auf und sagte "Eine herrliche Aussicht haben Sie von hier." Sie traten beide an die breite Fensterfront. "Bei gutem Wetter kann man sogar die Babisnauer Pappel sehen. Als kleines Mädchen war ich einige Male dort." "Ja", lachte Gerhard, "und ich habe es bis heute nicht geschafft."
Da erschienen über der Stadt zwei Ballons, einer mit dem Logo einer Versicherung, der andere in Form einer Teekanne mit dem Logo der Firma Teekanne. Gerhard schaute Frau von Nauwerk von der Seite an, sie starrte hinüber zur Babisnauer Pappel, sie schien von den Ballons keine Notiz zu nehmen. Er wandte sich ab, ging zu dem Glastisch und nahm seinen Aktenkoffer. "Ich danke Ihnen vielmals für den Tee."
Sie trat auf ihn zu und sagte "Wären zweihundert Mark ein angemessener Preis?" Gerhard spürte, wie sich seine Haare am Hinterkopf sträubten. "Ich muss jetzt leider gehen", presste er hervor. Sie streckte die Rechte mit dem Seidenhandschuh nach ihm aus. Er sagte "Danke! Bemühen Sie sich nicht, ich finde allein hinaus", und eilte die Treppe hinab und an dem Dienstmädchen vorbei, das ihm verständnislos nach schaute.
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