Zehnte und Elfte Szene Dreizehnte Szene

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Zwölfte Szene


Graf Gleichen mit festem Schritt, hinterdrein widerwillig und in komischer Kleidung mit Blümchenunterhose o.ä. Raimund.

RAIMUND droht und jammert zugleich: Graf Gleichen, ich werde mich über Euch beschweren.

GLEICHEN: Ihr euch über mich?

RAIMUND: Jawohl. Ihr habt nicht das Recht, mich gewaltsam fortzuschleppen, das ist Freiheitsberaubung und Nötigung. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, also mit arglistiger Täuschung. Im übrigen seid Ihr unerlaubt in das Reich meines Freundes Amanda eingedrungen, also kommt noch Hausfriedensbruch dazu. Das reicht für zwanzig Jahre Kerker.

GLEICHEN: Raimund, vielleicht darf ich Euch daran erinnern, es herrscht Kriegsrecht.

RAIMUND: Irgendwann ist der Krieg vorbei, und das ist mir recht.

GLEICHEN: Ja, dann werdet Ihr mir dankbar sein, dass ich Euch da rausgeholt habe.

RAIMUND: Warum sollte ich? Ein schöneres Leben als an der Seite Amandas kann ich nirgends und niemals bekommen.

GLEICHEN: Meint Ihr das im Ernst?

RAIMUND: Graf Gleichen, was wisst Ihr eigentlich von dem Leben als Kreuzritter? Und was wisst Ihr von mir? Glaubt Ihr wirklich, ich wäre auf das dumme Geschwätz eines Gottfried von Bouillon oder auf Philipps von Toulouse hysterische Krakeelereien hereingefallen? Hätte mich auf mein Pferd geschwungen und wäre aus tiefster Überzeugung ins Morgenland gezogen, um den Arabern die Schädel einzuschlagen? Ich? Der ich aus Mitgefühl jeden Regenwurm mit Wasser begieße, wenn er auf dem Trockenen liegt.

GLEICHEN: Manche Leute meinen, ein Wurm stehe weit über einem Araber.

RAIMUND: Meint Ihr damit den Pfalzgrafen?

GLEICHEN: Unter anderen. Warum, wenn Ihr im Grunde so ein Pazifist seid, habt Ihr Euch nicht geweigert, in diesen Krieg zu ziehen?

RAIMUND: Und Ihr? Ihr macht mir auch nicht den Eindruck des fanatischen Ritters von Gottes Gnaden.

GLEICHEN: Ihr wart selber dabei, als mich der Pfalzgraf praktisch gezwungen hat, mitzuziehen.

RAIMUND: Und mich ebenso.

GLEICHEN: Euch? Wie denn?

RAIMUND: Er hat damit gedroht, meine Neigungen öffentlich zu machen.

GLEICHEN: Dass Ihr schwul seid? Das weiß doch jeder.

RAIMUND: Womöglich ja, aber wenn man es dem Kaiser erzählt hätte, ich meine, so, dass es alle Welt hört, dann hätte mich der Kaiser mit einem Bann belegt, der mich zugrunde gerichtet hätte.

GLEICHEN: Man sagt, der Kaiser wäre selber schwul.

RAIMUND: Eben. Und er bildet sich ein, er könnte jeden haben, den er will.

GLEICHEN: Ah, jetzt verstehe ich, Ihr habt den Kaiser abblitzen lassen. Und der Pfalzgraf wusste um seinen Groll auf Euch.

RAIMUND: Wer hätte mir denn geglaubt? Er versucht, sich heimlich davonzumachen.

GLEICHEN: He, he, Ritter Raimund, hier geht's lang. Vergesst Amanda.

RAIMUND: Niemals.

GLEICHEN: Dann werde ich Euch wohl doch noch an die Leine nehmen müssen.

RAIMUND ohnmächtig vor Wut: Es ist nur meine Schwäche, die mich hindert, Euch niederzuschlagen und wieder zu Amanda zurückzukehren.

GLEICHEN: Oh, dann geht Ihr ab sofort vor mir her, los! Von Sarazenen nicht und nicht von Mameluken, von einem arabischen Zauberer wurde ich nicht abgemurkst, nicht einmal von ungeheuerlichen Dämonen; aber von einem schwulen Hammel aus dem Osterland sollte mir das widerfahren? Damit sich der Mühlberger drüber ausschütten kann vor Lachen? Ne ne, Raimundchen, so gut stehen wir nicht zueinander. Noch eine falsche Bewegung, und Ihr riskiert euer Leben.

Die Szene geht über in die Dreizehnte Szene.


 

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