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Dreizehnte Szene
Graf Gleichen und Raimund kommen an ein Trümmerfeld, wo gerade eine Schlacht getobt hat. Überall Leichen, glimmende und qualmende Überreste von Zelten und Ausrüstung etc.
RAIMUND ziemlich kalt: Was ist das für ein Durcheinander?
GLEICHEN erschüttert: Die Trümmer von El Halasch.
RAIMUND: Die Festung war nicht an diesem Ort.
GLEICHEN: Mein Gott, wie sieht das hier aus, verbrannte Erde allüberall.
RAIMUND hält sich sein buntes Schnupftuch vor die Nase: Und dieser Leichengestank, mir wird übel.
GLEICHEN: Das ist ... um Himmels Willen, das war unser Lager. Ein Plünderer schleicht zwischen den Trümmern umher, er trägt teilweise Kreuzritterkluft. Halt! Was machst du hier?
PLÜNDERER: Ich räume auf.
GLEICHEN: Das sieht mir eher nach plündern aus.
RAIMUND: Gibt es denn hier noch was zu holen?
GLEICHEN: Was ist geschehen? Wo sind die Soldaten? Wo ist der Pfalzgraf?
PLÜNDERER: Wer?
RAIMUND: Der Pfalzgraf, der Kommandeur.
PLÜNDERER: Es gibt keinen Kommandeur mehr, weil es keine Truppe mehr gibt, die er befehligen könnte.
GLEICHEN: Was soll das heißen? Sind sie alle tot?
PLÜNDERER: Oder geflohen.
RAIMUND: Tja, Graf Gleichen, wo wollt Ihr mich denn nun abliefern? Ich sehe hier weit und breit keine Spur mehr von unseren glorreichen Kreuzrittern.
GLEICHEN zu dem Plünderer: Wie lautet der Tagesbefehl?
PLÜNDERER gleichgültig: Woher sollte ich wissen, wie der scheißverdammte Befehl lautet; ich weiß nicht mal, welcher Tag heute ist.
RAIMUND: Donnerstag. Morgen habe ich Geburtstag. Und ich gedenke, ihn gemeinsam mit Amanda zu feiern. Graf Gleichen, Ihr seid herzlich eingeladen. Er lacht.
GLEICHEN: Ihr lacht? Anscheinend seid Ihr viel abgebrühter als ich dachte. Wie könnt Ihr angesichts dieser gefallenen Kameraden von Geburtstagsfeiern reden!
RAIMUND: Ich lache nicht über die armen Kerle, die tun mir Leid. Ich lache über diese ganze irrsinnige Unternehmung, die sich offensichtlich in Rauch und Asche aufgelöst hat.
GLEICHEN: Hm, verflucht! Habe ich denn nun nicht schon genug Scherereien gehabt!
PLÜNDERER mehr ironisch als ergeben: Kann ich jetzt gehen?
GLEICHEN gedanklich beschäftigt: Was?
PLÜNDERER: Ich denke, es ist besser, wenn ich mich verdrücke, die Schwarze Garde ist nämlich unterwegs und greift alle Deserteure auf.
RAIMUND: Die Schwarze Garde?
PLÜNDERER: Ja. Die haben immer noch nicht genug, führen sich auf wie die apokalyptischen Reiter und machen die eigenen Leute nieder. Erst gestern haben sie drei gefangengenommen, die sind noch halbe Kinder.
GLEICHEN aufhorchend: Wen?
PLÜNDERER: Zwei Burschen, der eine war nicht mal ein echter Ritter, und die dritte war ganz und gar ein Mädchen, wenn auch ein arabisches. Das war ihnen wohl auch zum Verhängnis geworden, denn die Schwarze Garde hat sie für Kollaborateure und Deserteure gehalten.
GLEICHEN bestürzt: Was ist mit ihnen geschehen?
PLÜNDERER: Sie sollen morgen gehängt werden.
GLEICHEN: Weißt du, wo sie sich befinden?
PLÜNDERER: Es gibt nur noch ein kleines befestigtes Lager, ungefähr eine Meile von hier westwärts, da ist das Gefängnis, und da haben sie auch schon den Galgen errichtet.
RAIMUND: Graf Gleichen, unter diesen Umständen kann ich nicht länger bei Euch bleiben.
GLEICHEN: Ihr könnt mich jetzt nicht im Stich lassen, Raimund.
RAIMUND: Ich habe mit diesem Kapitel abgeschlossen, was hier weiter passiert, ist mir völlig egal. Ich gehe zu Amanda zurück, lebt wohl.
GLEICHEN beinahe flehentlich: Aber Ritter Raimund! Diese Gefangenen, das ist mein Sohn Heinrich und der Ingersleben und seine kleine Freundin, ich muss sie retten. Helft mir dabei, ich bitte Euch.
RAIMUND: Bedaure sehr, Graf, aber ich habe schon zu viel für diesen Krieg getan, der mich im Grunde genauso wenig angeht wie die Heuernte auf Island. Auch muss ich noch einiges für meine Geburtstagsfeier vorbereiten, Ihr entschuldigt mich also. Raimund verschwindet in die Richtung, woher sie kamen; der Plünderer geht auch.
GLEICHEN: Halt! Er sieht sich um. Und der ist auch fort. Ich muss zum Gefängnis.
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