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Achte Szene
Schauplatz wie zuvor. Der Pfalzgraf und Graf Gleichen kommen, dahinter Trexel, Fasch und Hosenknöpper, die nicht in Erscheinung treten.
PFALZGRAF: Ha, was macht ihr da? Und was macht die Araberhure hier? Sie will euch sicher entführen.
GLEICHEN beschwichtigend: Aber Pfalzgraf, die malen nur was in den Sand, wahrscheinlich ein Spiel.
PFALZGRAF: Ein Spiel?
EGBERT: Ja, es ist Himmel und Hölle, wir wollten es Yasemin ...
PFALZGRAF: Und warum hat die Araberhure alles schnell verwischt? Sie weiß Bescheid. Das Spiel ist aus. Los, sag' uns, wohin ihr Ritter Raimund verschleppt habt, sonst mache ich mit dir auch ein Spiel, bei dem du geradewegs in die Hölle abgehst.
HEINRICH: Was ist denn passiert, Papa?
GLEICHEN: Ritter Raimund ist seit gestern Abend verschwunden; die Tänzerinnen haben ihn mitgenommen. Wahrscheinlich benutzen sie ihn als Geißel, falls wir die Festung angreifen. Eure Freundin kennt doch die Tänzerinnen?
PFALZGRAF ergreift Yasemin unsanft und bedroht sie mit dem Schwert: Jetzt rede, du Miststück! Oder ich verziere dir erst mal dein Gesicht ein bisschen mit meinem Schwert.
GLEICHEN: Pfalzgraf, sie ist noch ein Kind.
PFALZGRAF: Unsinn. Gleichen, wisst Ihr nicht, dass die Araber schon aus Kindern Soldaten machen. Ich zähle jetzt bis drei, und wenn du dann nicht redest, dann Gnade dir Allah.
EGBERT besorgt: Yasemin, weißt du etwas über die Tänzerinnen? Was haben sie mit Ritter Raimund gemacht? Bitte, sage es, mir zuliebe. Es wird dir nichts geschehen, das schwöre ich dir.
PFALZGRAF: Dich hat sie wohl auch schon bezirzt?
EGBERT: Nein, aber sie hat mit der Sache bestimmt nichts zu tun.
PFALZGRAF: Dann kann sie ja auch offen reden. Oder möchtest du, dass ich dich der Schwarzen Garde übergebe? Die werden mit der Peitsche aus dir herausprügeln, was sie hören wollen.
YASEMIN: Er soll mich loslassen.
GLEICHEN: Gebt nach, Pfalzgraf, sie kriegt ja kaum Luft.
Der Pfalzgraf lässt Yasemin widerwillig los.
YASEMIN: Die Mädchen können nichts dafür, es war Amanda.
PFALZGRAF: Siehst du wohl, du weißt ja doch was. Wer oder was ist Amanda?
GLEICHEN: So heißt diese Tänzerin, die in Wahrheit ein Mann ist, oder jedenfalls so aussieht, ach, was weiß ich, was die ist.
YASEMIN: Amanda ist ein Zauberer, sagt man.
PFALZGRAF: Kennst du ihn? Weißt du, wo er sich versteckt?
YASEMIN: Nein, ich kenne ihn nicht. Der Pfalzgraf will sie schon wieder packen, Egbert stellt sich ihr zur Seite. Wirklich nicht. Es heißt, dass er sein Reich bei Sand'hib Murkusch hat, diese Stätte nennt man auch die Pforte zur Unterwelt.
PFALZGRAF: Und dorthin hat er Ritter Raimund verschleppt?
YASEMIN: Es heißt, dass Amanda sich zu schönen Männern hingezogen fühlt und immer wieder welche in ihren Bann schlägt.
PFALZGRAF: Was meint Ihr dazu, Graf Gleichen?
GLEICHEN: Nun ja, ob Raimund wirklich schön ist, kann ich nicht sagen ...
PFALZGRAF: Ich meine, ob wir das glauben können?
GLEICHEN: Der Glaube versetzt Berge, das sagen auch die Araber. Also, wenn dieser Amanda glaubt, Raimund wäre schön ...
PFALZGRAF: Zum Teufel! Ich rede nicht über Ritter Raimunds Veranlagung. Wenn diese Hure die Wahrheit sagt, dann könnte sich Raimund in Sand'hib Murkusch befinden und wir müssen ihn dort rausholen.
GLEICHEN: Ja. Aber, was ist, wenn Raimund sich freiwillig bei Amanda aufhält und gar nicht von dort weg will?
PFALZGRAF in Rage: Was? Das kommt nicht in Frage. Wir befinden uns im Krieg. Auch ein Ritter Raimund hat sich nicht unerlaubt von der Truppe zu entfernen. Wir brauchen ihn.
GLEICHEN lenkt ein: Ja. Mehr noch als dieser Amanda.
PFALZGRAF zu Yasemin: Weißt du, wie man nach Sand'hib Murkusch gelangt?
YASEMIN: Ich bin einmal mit meinem Großvater dorthin gegangen, weil er wegen seiner Krankheit Hilfe erbitten wollte. Wir hatten uns einer Karawane angeschlossen. Der Weg geht durch die Wüste Gombad, sie ist zwar nicht groß, aber es toben dort oft fürchterliche Sandstürme; auch wir mussten damals umkehren.
PFALZGRAF nach kurzem Bedenken: Dann gebe ich folgenden Befehl: Graf von Gleichen, Ihr bildet ein Sonderkommando zur Befreiung Ritter Raimunds.
GLEICHEN: Jawohl! Wer gehört zu diesem Sonderkommando?
PFALZGRAF: Ihr selbst. Er zeigt auf Egbert und Heinrich. Und Eure beiden Burschen; sie sollen sich dabei bewähren.
HEINRICH erfreut: Wenn wir wiederkommen, werde ich dann zum Ritter geschlagen?
PFALZGRAF großmütig: Ja, Heinrich, das werde ich persönlich tun. Und nun Abmarsch, und nehmt natürlich das Mädchen mit.
GLEICHEN: Ach so, auch noch ein Weib. Und zwei Buben. Schönes Sonderkommando.
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